Interview Juliana Klemm

Juliana Klemm

Wenn man Dich mit einem Werkzeug beschreiben würde, welches wäre das?

Hast du keine leichte Einstiegsfrage auf Lager? … dann wäre ich wohl ein Schweizer Taschenmesser. Vielseitig einsetzbar, funktioniert in allen Lebenslagen und man kann damit auch meine Werkstatt aufsperren… mit den richtig großen Werkzeugen.

 

Du hast in Deinem Berufsleben ja schon viele verschiedene Rollen ausgefüllt. Wenn Du noch einmal einen ganz anderen Beruf wählen würdest, dann welchen?

Köchin und Restaurantbesitzerin! Das war jetzt eine einfach Frage, danke! In meinem nächsten Leben werde ich diese Leidenschaft beruflich verwirklichen, bis dahin bleibt Kochen und Bewirtung ein Hobby.

 

Transformation ist ja in aller Munde, was sind Deine Gedanken dazu?

Ich möchte hier auf den Ursprung des Wortes eingehen. Transformare bedeutet umformen und verwandeln. Und wenn man sich das jetzt globalgalaktisch ansieht, dann ist das einfach nur die Änderung eines Zustandes. Das ist per se weder positiv noch negativ belegt. Sieht man sich das im Privatleben, zum Beispiel bei einer körperlichen Transformation an, weil man sich auf einen Laufevent vorbereitet oder geistig transformiert, in dem man eine neue Fähigkeit erlernt, dann belegt man das positiv. Und unter anderem darum, weil es die eigene Entscheidung ist und weil man das selbst steuert und kontrolliert. Und genau das gilt es auf Unternehmen umzumünzen.

 

Was ist hier die größte Herausforderung?

Das kann ich Dir überhaupt nicht pauschal beantworten, weil ich maßgeschneidert für jedes Unternehmen arbeite, und gleichzeitig ist gerade bei großen Unternehmen die Herausforderung die Mitarbeiter mitzunehmen aber auch existierende Prozesse, eventuell „technical legacy“ nicht außer Acht zu lassen, hier zu steuern und dann auch zu verschlanken oder neu zu definieren. Es geht auch um kontrolliertes Ausprobieren und dabei klar zu kommunizieren.  Das „Warum“ einer Transformation ist idealerweise jedem klar, dann arbeitet man am „Wie“ und am „Was“. Erreicht so Lösungen, die dann auch nachhaltig wirken können, die das Unternehmen aushalten kann und in die Mitarbeiter gut eingebunden sind.

 

Wie passt Deine berufliche Entwicklung zu dieser Ansicht?

Meine gesamte berufliche Entwicklung habe ich hauptsächlich im Angestelltenverhältnis durchlaufen und eigentlich seit 2007 in konstanter Transformation. Das sind jetzt mal 12 Jahre, in denen ich aus Mitarbeiter, – Führungskraft,- Personal- und Coachingsicht alle Teile gesehen und erlebt habe. Bei allen diesen Zustandsänderungen waren andere Fähigkeiten notwendig, die ich mir aneignen durfte, dazu kommt meine große Neugier von anderen zu lernen. Und auch von mir selbst; weil wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man nur Passagier ist und null Kontrolle hat, das ist nicht immer angenehm- eigentlich konstant unangenehm. Da entwickelt man große Empathie für andere, in ähnlichen Situationen, und kennt aber auch die Unternehmerseite; das zu einem Ziel zu vereinen ist mein Traumberuf.

 

Bist du ein ernster Mensch?

Wie kommst Du denn zu dem Eindruck, habe ich zu viel die Stirn gerunzelt?

Ich bin ernsthaft in meiner Arbeitsweise, weil ich Qualität liefern will, aber ernst bin ich ganz selten.

 

Ok, also wie bist Du dann, wenn Du nicht ernsthaft bist?

Sehr fröhlich und ich betrachte das Leben mit der größtmöglichen Leichtigkeit.  Schau, wir haben drei Kinder, zwischen 4 und 17 Jahren. Da preise ich jeden Tag, an dem keines körperlich oder seelisch verletzt ist. Jeder Tag ist gut, an dem ich nicht in die Schule gerufen werde oder mir wer die Küche abfackelt. Und wenn ich da nicht tiefenentspannt wäre, da würde auch kein Botox mehr gegen die Falten helfen. Egal ob beruflich oder privat, manchmal muss man auch 5 eine gerade Zahl sein lassen, und dann hilft mir das wienerische „jo…eh“ ganz gut.

 

Apropos wienerisch, Du hast einen deutschen Akzent, wie kommt das?

Es ist kein deutscher Akzent bitte! Ich spreche einfach nur ohne Akzent (hoffe ich). Mein Vater ist Steirer, meine Mutter Wienerin aber ich habe den Großteil meiner Kindheit schon in Deutschland verbracht, das ist richtig. Dort hat man sich aber auch lustig darüber gemacht hat, dass ich Fisolen, Erdäpfel und Mistkübel sag und dann habe ich es irgendwann aufgegeben meine Sprache anzupassen. Ich red‘ halt jetzt komisch für manche Menschen.

 

Zurück zu den Kindern- Beruf und Familie, geht das?

Fragst Du das eigentlich auch einen Mann?

 

Guter Einwand, den nächsten Mann frage ich. Also, geht das?

Für uns, meinen Mann und mich, geht das sehr gut. Wir stecken abwechselnd ein wenig zurück, damit unsere Kinder nicht zu kurz kommen. Und gleichzeitig ist das ist meine oder unsere Sicht; diese Frage will ich für sonst niemanden beantworten, denn jede Lebenssituation ist anders herausfordernd und manchmal auch wirklich, wirklich schwierig! In meinen Gesprächen mit Menschen, auch in Unternehmen, ist das natürlich ein Thema.

 

Ich sehe schon, Du schwenkst zurück in den Beruf. Wann ist ein Auftrag uninteressant für Dich?

Wenn es nur um große, glänzende Powerpoints geht, und eigentlich nur heiße Luft bewegt wird. Ich bin an Kundinnen und Kunden interessiert, die etwas bewegen wollen, denn dann bin ich die Richtige. Ich betrachte mich als Arbeitsbiene, ich setze mich gerne auch hin und arbeite die Dinge selbst ab, wenn es sonst niemanden gibt, der jetzt grad Zeit hat oder es an den Fähigkeiten fehlt und ich sie habe.

 

Also mehr als Beratung?

Ja, wieso denn nicht. Also als systemischer Coach gehe ich jetzt nicht her und mache es einfach, weil da ein anderer Auftrag vorliegt. Aber wenn es um Organisationsentwicklung zum Beispiel geht, und es müssen ein paar Prozesse aufgesetzt werden oder Dokumente erstellt werden, ja warum denn nicht? Es fällt mir da ja kein Zacken aus der Krone und außerdem taucht man ja tief in die Funktionsweise eines Unternehmens ein und versteht es besser, wenn man die Ärmel hochkrempelt und einfach mal arbeitet.

 

Zum Schluss, welche Frage soll ich Dir noch stellen und was ist Deine Antwort?

Was noch? Wäre eine gute Frage, auf die ich Dir aber jetzt sagen würde: Nix mehr und danke für Dein Interview und die angenehme Zeit.