Interview Birgit Martini

Birgit Martini

Wie trinkst du deinen Martini am liebsten?

Geschüttelt oder gerührt, mit Olive oder Zitrone, dry, extra-dry oder rosso. Das ist alles nicht so wichtig, Hauptsache ich trinke meinen Martini in netter Gesellschaft. Ein schönes Martini Glas stört mich jedoch nicht, das hat schon was.

 

Schon in der Maturazeitung steht über dich geschrieben: „Martini nervt die ganze Zeit mit diesen Fragen!“ Wieso stellst du denn immer so viele Fragen?

Ja weil ich´s wissen will! Ich habe so eine Neugier mitbekommen, schon als Kind war ich sehr fasziniert von den heißen Diskussionen im Verwandten- und Bekanntenkreis. Jetzt als Beraterin ist es mein Job, eine Frage mehr zu stellen, als man offensichtlich beantworten kann und es geht darum, den Scheinwerfer auf jene Aspekte zu richten, die noch nicht beachtet wurden und auch noch interessant wären. Passende Fragen stellen ist sicher eine sogenannte Kernkompetenz im Geschäft. Manche Dinge haben sich seit der Matura nicht geändert. Es gibt wahrscheinlich nach wie vor ein paar Leute, denen meine Fragen auf die Nerven gehen.

 

Du bist Sportwissenschafterin und beschäftigst dich mit Gesundheitsförderung, wie kommt es, dass man dich so oft mit Bier und Chips auf der Couch anfindet?

Gesundheitsförderung kann es ja nur dann geben, wenn es auch ungesundes Verhalten gibt. Aber neben dieser Logik genieße ich es einfach. Und wenn überall von Rauchverbot und Körperkult die Rede ist, macht es doppelt so viel Spaß, unvernünftige Dinge zu tun. Sport, Ernährung und Gesundheit, das sind halt aktuelle Ideologien im Zeitalter der Selbstoptimierung. Ich möchte das gar nicht abwerten, jede*r braucht so seine Orientierungssysteme. Aber das Problem mit Ideologien ist, wenn man von der einen Seite allzu sehr begeistert und überzeugt ist, poppt das Gegenteil auf der anderen Seite auf und möchte auch beachtet werden.

 

An welchen Konzepten orientierst du dich in der Arbeit mit Menschen, Teams und Organisationen?

Das Konzept der lernenden Organisation hat mich sehr lange beschäftigt und beschäftigt mich noch immer. Jedoch tauchen am Markt in regelmäßigen Abständen „neue“ Trends auf und hier gilt es, keiner Ideologie blind zu folgen, sondern individuelle Lösungen für die KundInnen zu finden.

 

Welche Themen zeigen sich in der Begleitung von Veränderungsprozessen in Zeiten wie diesen besonders deutlich?

Der Anspruch auf Veränderung und Wandel ist inzwischen für Personen und Organisationen völlig normal. Um Veränderungsprozesse konstruktiv bewältigen zu können, braucht es die jedoch immer wieder den Blick auf Stabilität. In bewegten und bewegenden Zeiten geht es dann auch vor allem darum, Aspekte wie Gegensätze, Widersprüche und Ungewissheiten sichtbar zu machen um sie auszubalancieren zu können.

 

Mit welcher Haltung begegnest du deinen KundInnen?

Anerkennen was ist: das klingt banal, ist defacto aber selten anzutreffen und deshalb ein besonders kostbares Gut. Kombiniert mit dem Vertrauen in die Kompetenzen von Menschen und Organisationen lassen sich diese Kompetenzen als Schätze dann auch bergen.

 

Welche Erfahrungen aus dem pädagogischen Bereich kannst du in der Arbeit mit Erwachsenen, Teams und Organisationen nutzen?

An Kindern und Jugendlichen mag ich besonders, wenn sie mit kreativen Aussagen und Handlungen überraschen und diese Elemente fließen auch in die Arbeit mit Erwachsenen mit ein.

 

Woran erkennst du, dass ein Projekt gelungen ist?

Wenn ein Ziel erreicht ist, etwas in Bewegung gekommen ist, etwas Neues entstanden ist z.B. neue Perspektiven und andere Handlungsmöglichkeiten.

 

Drei Dinge, die dich glücklich machen?

Wenn mir etwas gut gelingt, anregende Begegnungen und draußen in der Natur sein.

 

Berg oder See?

Was soll ich da sagen? Ich steh´ auf Linguine mare e monti.